Der Buddha lehnte diese deterministische Weltsicht ab, indem er dem Begriff Karma eine ganz neue Bedeutung gab. Im Buddhismus ist Karma jede beabsichtigende Handlung. Diese wird Folgen haben, Folgen für unsere Umwelt, aber auch Folgen für uns selbst, letztere sind karmische Folgen. Die karmische Wirkung ist von der Absicht geprägt, in der die Handlung ausgeführt wurde. Als Handlung in diesem Sinne gelten Taten, aber auch Worte und sogar Gedanken. Die Wirkung kann kurz- oder langfristig eintreten, langfristig kann dabei auch bedeuten, dass sie sich erst in einem späteren Leben zeigt. Das tragende Prinzip ist also im Hinduismus das kommerzialisierte Ritual, im Buddhismus hingegen Ethik.
Häufig kamen Menschen zum Buddha Gotama, die zwischen diesen beiden Karma-Begriffen im Zweifel waren, um sich Rat zu holen, so auch der Haushälter in dieser Geschichte:
"Sagt an, Herr Gotama, die Brahmanen sagen, gut sei es, segensreich sei es, sich im Flusse Ganges zu baden. Gute Wiedergeburt, bessere Wiedergeburt verspräche es, sich im Flusse Ganges zu baden. Was nun sagt Ihr, Herr Gotama, ist es gut im Flusse Ganges zu baden, verspricht es gute Wiedergeburt im Flusse Ganges zu baden, sich im Flusse Ganges zu reinigen?"
"Ausgezeichnet ist es, Haushälter, sich zu baden, ausgezeichnet ist es sich zu reinigen. Das Baden in sauberem Wasser ist gut, um den Körper zu reinigen. Aber auch der Geist muss gereinigt werden, auch der Geist muss gebadet werden. Den Geist aber reinigt man, den Geist badet man nicht mit Wasser, sondern mit der reinigenden Wirkung tiefer Meditation und mit der säubernden Wirkung ethischen Verhaltens. Darum eben, Haushälter, solltet ihr täglich euren Körper mit Wasser reinigen und eben darum, solltet ihr täglich euren Geist mit guten Taten und Meditation reinigen."
"Danke, Herr Gotama, danke! Trefflich sind diese Worte. Wohl verstehe ich, dass es gut ist, nicht nur den Körper, sondern auch den Geist zu reinigen. Aber, um noch einmal auf die Sache mir dem Ganges zuückzukommen, wäre es dann nicht am besten, sich täglich mit Wasser zu waschen, seinen Geist täglich mit guten Taten und Meditation zu reinigen und zusätzlich einmal im Jahr im Jahr im Ganges zu baden, wie es die Brahmanen empfehlen?"
Der Buddha sah, dass der Haushälter wohl bereit war, die reinigende Wirkung ethischen Verhaltens und von Meditation zu akzeptieren, dass er aber unterschwellig noch immer dem hinduistischen Irrglauben anhing, ein rituelles Bad im schmutzigen Ganges könne seine Zukunft beeinflussen. Dieser Mann unterlag der Fessel des Hängens an überkommenen Regeln und Riten. Daher beschloss der Buddha deutlicher zu werden.
"Haushälter, warum fragt ihr gerade mich?"
"Nun, Herr Gotama, man sagt Ihr seid ein Erleuchteter, man sagt Ihr seid ein Vollkommener, einer der Nirwana erreicht hat, der mit dem höchsten Wissen gesegnet ist."
"Haushälter, das habt ihr über mich gehört. Habt ihr gleiches schon einmal von einem Fisch gehört?"
"Natürlich nicht, Herr Gotama!"
"Ah, seht Ihr Haushälter! Ich habe mein ganzes Leben lang kein rituelles Bad im Ganges genommen. Die Fische aber baden jeden Tag ihres Lebens im Ganges. Wenn das Baden im Ganges irgendeinen Effekt hätte, dann wären sämtliche Fische schon längst erleuchtet!"
Nachdenklich ging
der Haushälter von dannen.